Kopenhagen war das Ziel……doch es kam anders

Nach zwei Jahren war es nun endlich wieder soweit. Ein Segeltörn auf der Greif stand im Kalender, an dem in diesem Jahr erstmals auch der Nachwuchs teilnehmen wollte und durfte, so dass wir auf insgesamt elf Thüringer kamen. Zehn Mitsegler und ein HfK.

Greiftörn 2018

Als Reiseziel war für den Törn O-19 vom 03.10. bis 07.10.2018 wieder Kopenhagen avisiert und alle Teilnehmer hatten schon so ihre Pläne vorbereitet. Angefangen von der Wachablösung am Schloss Amalienborg über Sightseeing und Shopping bis zum Besuch im Museum der Olsenbande, alles war geplant.
So reisten wir erwartungsvoll und in „Uniform“ am 02.10.2018 an und konnten als Erste an Bord und Kojen beziehen, was in diesem Fall wie immer wortwörtlich zu verstehen ist. Danach gab es eine kurze Einweisung für alle Erstmitsegler, wo an Bord wer und was zu finden ist. Das Wetter war, wie in diversen Apps prophezeit, nicht so wie erhofft, aber wir wollten ja erst am Mittwoch auslaufen. Bis dahin war ja noch viel Zeit. Diese vertrieben wir uns bei einem Backfisch-Imbiss bei „Gurke“ im Reusenhaus, einem kurzen Stadtrundgang und einem äußerst leckerem Abendessen in der Fischerhütte. Der Start konnte daher trotz widrigem Wetter als gelungen gewertet werden.
Die Nacht war sehr stürmisch, aber wir hatten durch unsere geschützte Lage ein ruhiges Schiff. Am folgenden Morgen gab es zunächst ein leckeres Frühstück und nach den üblichen Überprüfungen der Vollzähligkeit, den Einweisungen für den Notfall und den Belehrungen auch einen Ankerfall inkl. Aufholen. Nach dieser kleinen „Erwärmungsübung“ folgt die erste Tauglichkeitsübung, das Klettern über die Saling am Fockmast mit den ersten Nachweisbildern. Auch den Wiederholungstätern fordert diese Übung immer wieder erstmal etwas Überwindung ab. Aber, hat man erstmal den inneren Schweinehund bezwungen, ist die Aussicht umso schöner. Der Nachwuchs war nicht zu bremsen und hatte die Anforderungen an die persönliche Sicherheit bemerkenswert schnell verinnerlicht. Ein gutes Gefühl machte sich breit. Wenn jetzt noch der Wind drehen würde…

Anspruchsvoller Seegang

Wir legten pünktlich um 10:30 Uhr ab und konnten zügig Segel setzen. Leider kam der Wind nach wie vor stetig mit 6-7 aus Nordwest und somit genau von vorn. Wir wagten einen kleinen Ausblick auf die Ostsee vor Göhren und erkannten, dass der Seegang doch sehr anspruchsvoll ist und eine Weiterfahrt den Spaß am Segeln verderben wird. So kämpften wir uns gegen den Wind und ankerten vor Prora, eine Pause, die die ersten verstimmten Mägen einiger Mitsegler gern annahmen. Die Anzahl der Teilnehmer beim ersten Abendessen war überschaubar.
Der nächste Morgen brachte uns leider keine guten Nachrichten, was unser Reiseziel anbelangte. Der Wind hatte zwar etwas nachgelassen und kam aus Südwest mit einer Prognose auf Südost ab Freitag. Wir hatten damit die Wahl zwischen einer Fahrt unter Motor nach Kopenhagen hin und zurück oder einer Fahrt unter Segeln nach dem Wind.
Schnell war klar, dass wir nach dem Wind segeln, dann dafür waren wir ja angereist. Als neues Ziel wurde Swinemünde ausgerufen. Um 09:00 Uhr wurde der Anker mit 3 Längen (75 Meter Kette) eingeholt und schnell ertönte ein: „Klar zum Segelmanöver“. Der Kapitän ließ sich als „Entschädigung“ für den ersten Tag auf eine große Besegelung ein, so dass zügig Mars und Bram gesetzt wurden, die Fock fiel und Mittel- und Innenklüver aufgezogen wurden. Zur Krönung wurde um 10:00 Uhr, nachdem Großstag und Großstengestag gezogen waren, noch das Großsegel gesetzt und wir kamen gut in Fahrt. Damit der Jugend nicht zu langweilig wird, gab es eine umfassende Einweisung in das Schiff. Der Bootsmann hatte sich das Vorhaben wohl etwas einfacher vorgestellt, als sich die wissbegierige Jugend das gedacht hat. Nachdem alle Lasten unter Deck erkundet waren, schafften sie es letztendlich, dass auch noch die Überlebensanzüge rausgeholt und angezogen werden durften. Ein Spaß letztendlich für alle Mitsegler, als unsere Teletubbies eine Ehrenrunde über das Deck liefen. Ansonsten verlief der Tag wie erwartet bei abnehmenden Wind mit einigen Segelmanövern und den üblichen Wachdiensten. Auch die vereinzelten Seekrankheiten vom Vortag waren auskuriert und wir erreichten 19:00 Uhr Swinemünde. Hier beendeten wir den Tag nach einer kurzen Landerkundung mit Einkehr dann letztendlich an der „Rettungstonne“ Backbord.
Am Freitag gab es bis zum Mittag nochmals Zeit, den Markt in Swinemünde zu erkunden und ein paar Souvenirs zu erstehen, bevor es bei einem lauen Lüftchen in Richtung Heimat ging. Auf dem Plan standen wieder einige Segelmanöver und Navigationskunde für den Nachwuchs. Gegen 16:00 Uhr wurde das Deck geschrubbt und um 19:00 Uhr waren die letzten Segel gerefft. Wir verbrachten die Nacht vor Anker vor Karlshagen. Eine Nacht vor Anker ist doch immer noch die schönste Art, den Alltag zu vergessen und etwas zu erholen.

Am Samstag gab es „Mann über Bord“.

Zwei Bälle flogen raus und das Schlauchboot musste zu Wasser gelassen werden. Dieses Manöver zeigte, dass auch bei der Mannschaft immer wieder mal etwas Übung gefordert ist, wenn es mal schnell gehen soll. Nachdem das Schlauchboot im Wasser war und der Motor dann endlich mal lief, konnten auch der Rettungsring und die beiden ertrunkenen Bälle eingeholt werden. Noch ein paar Runden für schaulustige Mitsegler und das Schlauchboot wurde wieder an Bord geholt. Erneut hieß es „Schot vor die Mars“ und wir nahmen Kurs auf Lauterbach. Da der Wind mittlerweile fast eingeschlafen war, hatten wir ausreichend Zeit, die Segel perfekt zu verpacken. Zum Anlegen konnte sich dann die Jugend wieder beweisen und zeigen, ob die sie Wurfleine beherrscht. Auch hier wurde überzeugend abgeliefert.
Nach einem kleinen Rundgang durch Lauterbach wurde an der Pier gegrillt und geklönt und der erste Schwermut machte sich breit.
Am Sonntag erwartete uns ein nass-kalter Morgen und auf der kurzen Überfahrt nach Greifswald blieb es beim Verpacken der Sachen und wer noch nicht dran war, durfte sich nochmals als Rudergänger beweisen. So endete unser Törn nach einer letztendlich doch anspruchsvollen Zeit auf See, auch wenn wir Kopenhagen nicht erreicht haben.

Es bleibt somit die Chance auf eine Fortsetzung ….
Text Frank Saal, Quelle Bilder privat

Den Bericht könnt Ihr als pdf-Datei herunterladen. Greiftörn 2018 Bericht